Theoretischer Hintergrund

Diese kurze Zusammenfassung der Inhalte der Theorie der Erziehung nach Lauff entstand in unserem Seminar „Erziehung verstehen – Eltern verstehen“. Sie gibt die grundlegenden Prinzipien von Erziehung wieder.

Das Wort „erziehen“
(Ausschnitt aus dem Seminarpapier „Ernährung und Erziehung als Theoriezusammenhang“ von Prof. Dr. Werner Lauff von 2006)

„Ziehen stammt wie das lat. ducere von der idg. Stammwurzel ‚deuk’ ab. Mit diesem Laut wurde eine Bewegung bezeichnet, die einen Gegenstand gegen eine bestimmte Reibungskraft auf eine Kraftquelle hinbewegte. Im Gegensatz z.B. zu ‚drücken’, das eine Bewegung bezeichnet von der Kraftquelle weg. Die Vorsilbe ‚er’, ursprünglich ‚udz’ hat im Kern die Bedeutung ‚heraus’, ‚empor’, also vertikale Bewegung gegen die Schwerkraft nach oben (Ziehbrunnen), auffindbar ist jedoch auch die Bedeutung ‚fort’, also eine Bewegung gegen die horizontale Reibungskraft von dort nach hier (Das Pferd erzog den Pflug).

Erziehen ist also Name für eine physikalische Bewegung in einem genau bestimmten raum- zeitlichen Koordinatensystem. Die Zeitliche Bedeutung der Vorsilbe ‚er’ ist: bis zur Vollendung. Erziehen bedeutet demnach eine vertikale und horizontale Bewegung zu einer Kraftquelle hin bis zur Vollendung. Überträgt man diese figürliche Vorstellung auf das Geschehen zwischen Gärtner und Pflanze, so wird die Pflanze nicht nach oben gezogen, sondern von unten genährt, damit sie wächst, und es wird dafür gesorgt, dass sie sich an einem Ort befindet, wo sie Licht, d.h. ihre notwendige Wachstumsenergie bekommt. Das im Wort ‚erziehen’ gemeinte Geschehen zwischen Eltern und Kind mag also bedeuten, die Eltern nähren das Kind, damit es wächst, und die Eltern führen das Kind dahin, wo es im guten und notwendigen Sinne die Lernanregungen erhält, die es für sein Erwachsenwerden braucht. Ist es er-wachsen, d.h. herausgewachsen, dann vermag es alle diese Bewegung in die eigene Verantwortung zu übernehmen, was es insbesondere bei seinen Wachstumsbewegungen im Mutterleib und in der frühen Kindheit noch nicht konnte. Hier sind die Eltern die Stellvertreter der Kinder.
Ein wundervoller zweiter Bedeutungsaspekt, der bisher in Zusammenhang mit dem Wort ‚erziehen’ beständig übersehen wurde, kommt hinzu: Erziehen gibt es nicht nur in der transitiven Form (ich ziehe Dich), sondern auch in einer intransitiven grammatischen Variante (die Wolken ziehen dahin). Diese Version des Wortes fokussiert sich nicht auf die Kraft, die
eine Bewegung bewirkt, sondern betont die Kraft, die von einer Bewegung ausgeht. Die majestätische Bewegung der Wolken zieht die Aufmerksamkeit der ihnen folgenden Augen auf sich. Oder im Falle der Erziehung: Der ‚Zauber’ des Wachstums der Kleinen zieht die Augen der Großen. Wie bei den majestätisch dahin ziehenden Wolken kann gar mancher empfängliche Betrachter seine Augen nicht von dem Charme der aufwachsenden Kinder
wenden. Die Eltern ziehen so gesehen nicht nur das Kind, sondern das Kind zieht auch die Eltern.“

Der Zusammenhang von Theorie und Praxis

Praxis
In unseren Seminaren wird strikt unterschieden zwischen der theoretischen und praktischen Ebene der Erziehung. Wir sind als Eltern mitten in der Praxis, handeln, wir erziehen. Würden wir das, was wir tun, in unseren Fällen beobachten, fiele uns auf, wie unterschiedlich das aussehen kann. Und zwar nicht nur von Familie zu Familie sondern auch innerhalb der Familien zu unterschiedlichen Zeiten. Die Praxis umfasst alles, was veränderlich ist. Es wird deshalb gern von einem Praxisfluss gesprochen.
„Ach, und in demselben Flusse schwimmst Du nicht zum zweiten Mal.“ (Goethe)

Theorie
Was wir tun, kann in theoretische Prinzipien und Begriffe eingeordnet und in einen Zusammenhang, nämlich den der Erziehung gebracht werden. In der Theorie soll dem wissenschaftlichen Anspruch nach all das enthalten sein, was in der Praxis in allen Fällen immer gleich und unveränderlich ist. Egal wo und egal wann. Man spricht oft von einem Gedankengebäude, das zur Orientierung im Fluss dient. Es geht im Seminar also um das Denken, das die Grundlage für das Entscheiden und Handeln darstellt.
„Fest gemauert in der Erden steht die Form aus Lehm gebrannt.“ (Schiller)

Überprüfung der Theorie
Der Anspruch, dass die Theorie nur die Prinzipien beinhaltet, die in der Praxis immer gleich bleiben, bedeutet, dass Theorie in der Praxis immer wieder überprüft werden muss. Und zwar nicht anhand der Frage, ob die Theorie praktisch anwendbar ist, sondern ob ihre Inhalte in der Praxis auffindbar sind. Die Überprüfung der Theorie kann jeder Mensch übernehmen und muss diese auch vornehmen. Meist beurteilen wir die Theorie auf eine solche persönliche Überprüfung hin.

Warum ist Theorie wichtig?
Theorie ist immer dann zu betrachten nötig, wenn die Praxis nicht mehr problemlos von selbst läuft, wenn intuitives Handeln und Entscheiden schwierig wird. Wir merken dies an unserer Unsicherheit, wenn wir unter Druck geraten oder mit völlig neuen Situationen konfrontiert sind. Wenn Dinge unerwartet nicht so funktionieren wie wir dachten, haben viele Menschen den gesunden Impuls, sich Hilfe zu suchen. Bei dieser Suche kann uns theoretisches Wissen von großem Nutzen sein. Denn wenn wir einen Zusammenhang erkennen, können wir entscheiden, an welchem Punkt wir ansetzen müssen, Veränderungen zu schaffen und Wirkungen zu erzielen.

Technik als Theorie in der Anwendung
Oftmals wird danach gefragt, wie Theorie umgesetzt oder angewendet wird. Dann geht es im Grunde um Fragen nach der Technik. Technik ist eine eigene Form der Wissenschaft, die auf Anwendung in der Praxis angelegt ist. In der aktuellen Erziehungswissenschaft und darauf aufbauenden Elternbildung werden bestimmte Modelle von Technik vermittelt wie zum
Beispiel die beim Elternkurs „Starke Eltern, starke Kinder“  betonte Kommunikation oder Prinzipien wie der autoritäre Umgang mit Kindern und das Laissez-faire in den so genannten Erziehungsstilen. Um diese Techniken einsetzen zu können, wo sie wirklich angebracht sind, müssen wir entscheiden können, wo die Probleme liegen. Hierfür ist die Theorie der
Erziehung nützlich. Sie eröffnet den erzieherischen Blick, mit welchem sich praktische Probleme einordnen lassen.

Der Begriff
Um eine klare Theorie zu erhalten, braucht es einen eindeutigen und klaren Begriff vom Gegenstand der Theorie. Wir brauchen einen eindeutigen Begriff von Erziehung, von dem aus die Theorie ausgeht. Damit ist gemeint, so genau wie möglich zu erfassen, was der Kern einer Sache ist. Zu einem Begriff gelangt man auf unterschiedlichen Wegen. Hier sollen vor allem
die Betrachtung (als Beispiel für alle unsere relevanten Sinneswahrnehmungen) und die Sprache erwähnt sein. Bei Kindern lässt sich die Begriffsbildung durch die Betrachtung und die anderen sinnlichen Wahrnehmungen und Erfahrungen besonders gut beobachten. Kinder
schauen, fühlen, schmecken und riechen genau an Gegenständen, um Begriffe vom Teddy, Hund, warm, kalt, weich, schmerzhaft, befriedigend und schließlich auch von Handlungen wie beispielsweise dem Essen, Trösten etc. zu erhalten.

Der Begriff von Erziehung, den Herr Lauff seiner Theorie zugrunde legt, ist:
„Die Alten ziehen ihre Jungen“. Diese Formulierung ist der Versuch, möglichst nah an den entscheidenden Kern des Zusammenhangs von Erziehung zu kommen. Er eröffnet bereits verschiedene Zusammenhangsebenen wie Beziehung (unterschiedliche Personen), Verhältnis (alt und jung) und Handlung bzw. Tätigkeit (ziehen).

Voraussetzungen der Erziehung

Siegfried Bernfeld formuliert in seinem Buch „Sisyphos oder die Grenzen der Erziehung“, dass Erziehung unter zwei Voraussetzungen notwendig wird. Zum einen nennt er die Unreife der Kinder, die sich entwickeln müssen bis sie erwachsen und allein lebensfähig sind. Zum anderen erfordere laut Bernfeld das Leben in der sozialen Gemeinschaft, der Gesellschaft, die
Unterstützung dieser Entwicklung der Kinder durch die Erwachsenen.

Kinder als Voraussetzung
Tatsächlich sind Kinder nach der Geburt abhängig davon, dass Ältere, im ursprünglichen Fall Erwachsene, sich ihrer annehmen, sie ernähren, pflegen, anleiten, lieben (und vieles mehr), nämlich erziehen. In der Theorie der Erziehung sind diese Erwachsenen in erster Linie Mutter und Vater. Kinder bringen zwar ihre eigene Wachstumskraft mit auf die Welt, ohne die auch
die beste Fürsorge keine Wirkung zeigen könnte. Diese muss allerdings in einer bestimmten Art und Weise versorgt werden, damit sie sich entwickeln kann und tatsächlich zum (Er-) Wachsen der Kinder führt (An dieser Stelle ist schon ein Ziel von Erziehung, nämlich das Erwachsensein genannt.). Diese Versorgung stellt die Erziehung dar. Sie ist notwendig, weil Kinder als Vertreter der jungen Generation vorhanden sind.

Die Generationenfolge von Alt und Jung als Voraussetzung
Damit Kinder entstehen und Erziehung notwendig wird, bedarf es einer weiteren erfüllten Voraussetzung. Diese ist mit der Tatsache gegeben, dass es Alte (Erwachsene) und Junge (Kinder) gibt. Die Alten müssen immer schon erzogen und erwachsen, in die Gesellschaft gebracht worden sein. Sie müssen ihre individuelle Entwicklung bis zu einem gewissen Grad
abgeschlossen haben, damit sie die Erziehung der Kinder übernehmen können.

Mann und Frau als Voraussetzung
Bei der genaueren Betrachtung der Alten, Erwachsenen, wird erkennbar, dass Mann und Frau zusammen kommen müssen, damit Kinder entstehen. Die Fortpflanzungsmöglichkeit schafft somit ebenfalls voraussetzend die Notwendigkeit von Erziehung. Dabei ist der Unterschied von Mann und Frau entscheidend. Hier wird in der Theorie der Erziehung nicht
emanzipatorisch oder Gender-theoretisch gedacht. Gleichberechtigung bedeutet hier vor allem Gleichwertigkeit der Eltern mit ihren unterschiedlichen Aufgaben und nicht Gleichartigkeit.

Die Vater-Mutter-Kind-Einheit
Die Qualität von Frau und Mann verändert sich, sobald ein Kind unterwegs ist. Die Begriffe Mutter und Vater beinhalten nämlich jeweils die anderen beiden Personen im Erziehungsdreieck (Vater oder Mutter UND das Kind). Zur Paarbeziehung kommt die Elternbeziehung hinzu. Als mathematische Formel kann man dies so formulieren:
1 + 1 = 3
Das Dreieck aus Vater, Mutter und Kind besteht für jeden Menschen ein Leben lang und kann nicht aufgelöst werden. Theoretisch leiten sich aus diesem Dreieck die spezifischen Bedingungen der Erziehung ab. Das jeweilige Kind steht an letzter Stelle einer langen Reihe von Erziehungsdreiecken, die die Entwicklung der Menschheit darstellt. Die Bedingungen, unter welchen diese Dreiecke bestanden haben, haben zur Entstehung des aktuellen Kindes geführt. Das kann auf der praktischen Ebene bestimmte Konsequenzen haben und Informationen zu diesem speziellen Kind liefern. Auch die praktische Auflösung des Dreiecks von Mutter, Vater und Kind (durch welche Umstände auch immer), kann bestimmte Konsequenzen haben. Theoretisch betrachtet ist sie in jedem Fall bedeutsam für die Erziehungstätigkeit.

Mögliche Konsequenzen bei der praktischen Auflösung des Erziehungsdreiecks wie Alleinerziehung, Patchworkfamilie, Adoption
Auf der praktischen Ebene kann es vorkommen, dass ein Elternteil stirbt oder sich ein Paar trennt. Auf der praktischen Ebene kann dies bewertet und beurteilt werden. Die Gründe für solche Trennungen sind zahlreich und aus einigen Perspektiven als sinnvoll oder unsinnig zu betrachten. Für die Theorie der Erziehung allerdings gilt, dass zunächst ein Fokus darauf
gerichtet werden muss, dass in einem Erziehungsdreieck zum einen ganz bestimmte Beziehungen bestehen, die Ausgangspunkt für alles folgende Geschehen sind. Zum anderen beinhaltet es, dass Mutter und Vater gleichermaßen mit dem Kind verbunden sind. Da diese in der Erziehung unterschiedliche Aufgaben haben, ergibt sich aus erzieherischer Sicht die Frage danach, ob diese im Falle einer Trennung noch  erledigt werden und wer was tun kann, um Vater- oder Mutteraufgaben zu übernehmen und somit stellvertretend zu erziehen.

Mutterleib als erster Erziehungsraum
Betrachtet man den Bauch einer Mutter als ersten Erziehungsraum, werden hier ein paar Prinzipien beispielhaft besonders deutlich. Der Unterschied von alt und jung ist gegeben. Die Zusammenkunft von Mann und Frau hat stattgefunden. Das Kind wächst von allein, bedarf aber der Mutter, die bestimmte Aufgaben übernimmt, beispielsweise die Ernährung. Der Vater
übernimmt andere Aufgaben, die durch die Mutter auf das Kind wirken können (Das klassische Beispiel: Den schweren Einkauf schleppen!). Die Beziehung von Mutter und Vater zum Kind kann kein anderer führen. Hier gilt auch wieder: Die Beziehung des Vaters zum Kind wird durch die Mutter vermittelt. Stellvertretende Erziehung im Falle des Vaters ist möglich. Betrachtet man das Tragen des schweren Einkaufs als eine väterliche erzieherische Aufgabe (die Nichtgefährdung der Mutter UND des Kindes), wird vom stellvertretenden Erzieher das väterliche Prinzip angenommen und der Einkauf getragen. Im Normalfall ist während der Schwangerschaft die Vereinbarung der Qualitäten biologischer, juristischer und sozialer Eltern im Falle der Mutter gegeben.
Barja (bharya’e) ist das Sanskrit-Wort für Ehefrau: „Die Tragende, die getragen wird.“

Die Mittel der Erziehung

Das Erziehen beinhaltet drei prinzipielle Tätigkeiten.
lassen
nähren        führen
Das Nähren beinhaltet alle Dinge, die dem Kind zur Befriedigung seiner Bedürfnisse gegeben werden. Dazu zählen beispielsweise Nahrungsmittel sowie geistige Nahrung in Form von Erklärungen und Bildung, Zeit und bestimmte Empfindungsgrundlagen wie Schutz und Vertrauen.
Das Führen meint alles, was dem Kind den Weg vorgibt und aufzeigt. Es erstreckt sich vom anfänglichen Tragen und Führen an der Hand über sprachliches Erklären und Ermöglichen verschiedener Erfahrungen und Denkbewegungen hin zum Vorangehen, Vormachen, Vorleben.
Das Lassen ist darauf bezogen, die Wachstumskraft des Kindes wirksam werden und sein zu lassen, ohne permanent einzugreifen. Dazu gehört, dem Kind seine eigene Persönlichkeit, die eigene (Entwicklungs-) Zeit, den Raum zu zugestehen und die dem Kind eigenen Möglichkeiten zum Erwachsen anzuerkennen. Das Lassen erfordert in vielen Punkten vor allem Geduld auf dem Weg zu einem bestimmten Ziel. Es ist eine andere Qualität des
Lassens, wenn ein Erziehungsziel bereits erreicht wurde und das Kind aufgrund des Könnens gelassen wird, um seine Selbstständigkeit zu wahren.
Anhand der Ziele, die gerade verfolgt werden, und der drei übergeordneten Ziele (körperliche Gesundheit, geistige Klarheit und seelische Ruhe des Kindes) wird über die Kombination dieser Tätigkeiten entschieden. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass nicht zu jeder Zeit die gleiche Mischung der Mittel richtig ist. Die Entscheidung über das passende Maß zur rechten Zeit wird immer davon bestimmt, was durch die Beantwortung der Fragen zum Erziehungsziel in Erfahrung gebracht wird. Das Beziehungsdreieck von Vater, Mutter und Kind (inklusive der individuellen Erziehungsgeschichten) spielt hier häufig genauso eine große Rolle wie der individuelle Stand des Kindes und alle weiteren praktischen Umstände
wie Zeit, Raum, Anwesenheit bestimmter Personen etc..

Die Ziele der Erziehung

Das generelle Ziel von Erziehung ist das erwachsen gewordene Kind. Die Festlegung des Erwachsenseins ist gesellschaftlich, kulturell, historisch und individuell beeinflussbar.
Generell wird mit dem Erwachsensein die (Über-) Lebensfähigkeit innerhalb der Gesellschaft verbunden. Kriterien, die sich aus der Theorie der Erziehung ergeben, sind zum einen der Übergang des Kindes von der ersten Stufe zur zweiten Stufe der Erziehung. Zum anderen wird dieser Übergang nicht nur davon abhängig eingeordnet, dass das erwachsene Kind selbst Elternteil wird, sondern vor allem davon, dass es von den Eltern gelöst und unabhängig ist.
Der Grad des Erwachsenseins ist gegenläufig zur Notwendigkeit des Erziehens. Am Anfang der Erziehungsphase ist die Notwendigkeit zu erziehen besonders hoch. Am Ende ist sie kaum noch vorhanden.

erziehen – erwachsen

Die konkreten Ziele, die den Erziehungsalltag bestimmen, werden individuell und bewusst festgelegt. Dabei steht über allem die Entscheidung darüber, ob ein Ziel dazu dient, dass das zu erziehende Kind erwachsen wird. Zur Bestimmung der Ziele und für die Entscheidung über ihre Angemessenheit sind folgende Fragen hilfreich:

  •  Was will ich und warum will ich das?
  •  Wer bin ich im Verhältnis zum Kind gesehen?
  •  Welches Kind will ich erziehen?
  •  Welche Situation besteht?
  •  Welches Thema gehört zu dem Ziel?
  •  Welchen Hintergrund zu diesem Thema bringe ich durch meine Erfahrung aus den unterschiedlichen Erziehungsstufen mit?

Um das festgelegte Ziel zu erreichen, stehen uns bestimmte Mittel zur Verfügung, die gesondert besprochen werden. Zur Beurteilung, ob man das individuelle Ziel des Erziehens erreicht hat, bestehen drei übergeordnete Ziele, die als Kriterien verwendet werden können.
Diese sind:

  •  Das Kind soll körperlich gesund sein.
  •  Das Kind soll geistig klar sein.
  •  Das Kind soll seelisch ruhig und ausgeglichen sein.

Es ist in der Erziehungspraxis nicht auszuschließen, dass man Fehler macht, zum Beispiel die falschen Mittel gewählt hat. Dies wird theoretisch immer dann sichtbar, wenn das Kind in Bezug auf ein persönliches Erziehungsziel (Thema) nicht die drei Kriterien erfüllt. Zu sehen, dass ein Kind krank, verwirrt oder unruhig (zum Beispiel außerordentlich aggressiv oder traurig) ist, deutet also daraufhin, dass es mit der Art und Weise des Erziehens nicht klar
kommt und zur Unterstützung seiner Wachstumskraft in Bezug auf das gesteckte Ziel etwas braucht, das vom Erziehenden noch nicht erkannt wurde. Zur Reflexion einer solchen Situation können wiederum die oben genannten Fragen dienen.
Erziehen findet nur dann statt, wenn es um die konkrete Erreichung eines Zieles geht. Das bedeutet, dass man nicht ständig erzieht. Man begleitet sein Kind beispielsweise auch „einfach nur“, hilft oder pflegt die Beziehung.

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